Imre Sinka

Ich bin raus aus dem Spiel. Keine Mandate, keine Akquise. Aber wer ich bin und woher ich komme, steht hier.

Kein Pitch

Hier könnte zu lesen sein, dass ich Ihr Online-Marketing revolutioniere, Ihre Conversion verdopple und nebenbei noch den Weltfrieden sichere. Steht aber nicht. Stattdessen gibt es ein Porträt. Ich möchte kurz erzählen, wer ich bin, woher ich komme und was ich so alles gelernt habe. Ohne Verkaufsgespräch. Hier geht’s nicht um ein Kontaktformular. Einfach so.

Schon da, bevor es cool war

1995 habe ich eine der ersten Webagentur der Schweiz, die Sinka Interactive, gegründet. Mein Umfeld reagiert mit höflichem Desinteresse oder offenem Mitleid. Das Internet war Neuland, Websites waren Luxus und E-Mail war etwas, das man seinem Neffen erklären lassen musste. 

Dabei hatte ich einen seriösen Hintergrund – Unilever, Ogilvy, Lintas, Publicis. Ich hätte Kampagnen für Shampoo machen können, bis ich in Rente gehe. Stattdessen setzte ich auf ein Medium, das die meisten für eine Laune der Geschichte hielten. 

2000 haben wir dann SEO angeboten und damit den Weg für das Online-Marketing geebnet. Google war zwei Jahre alt, und wenn jemand „Ranking“ sagte, dachte man an Wimbledon, nicht an Algorithmen.

Siebzehn Jahre, eine Adresse

2002 wurde aus der Sinka Interactive die dotpulse webagentur. Ich war Geschäftsführer und Mitinhaber. Wir haben 17 Jahre lang den Webauftritt und das Online-Marketing grosser und kleiner, nationaler und internationaler Unternehmen entwickelt und betreut. Digitale Strategien haben wir entwickelt, bevor das Wort in jeder Powerpoint-Präsentation zu sehen war.

In einer Branche, in der sich alle zwei Jahre die Spielregeln ändern, ist das eine kleine Ewigkeit. Ich habe in dieser Zeit vor allem eines gelernt: Technologien kommen und gehen, aber die Grundfragen bleiben dieselben. Macht es Sinn? – Bewegt es Mensch und Marke? – Zahlt es sich aus? Was ist möglich, was ist sinnvoll?

2019 haben wir die dotpulse webagentur mit der BlueGlass Interactive fusioniert. 

Das Leben danach

Nach der Fusion Verkauf sass ich bis 2022 im Verwaltungsrat von BlueGlass Interactive und war im Business Development. Ein sanfter Übergang vom operativen Geschäft in die strategische Begleitung – oder, direkter: Ich durfte kluge Ratschläge geben, ohne diese selber umzusetzen.

Heute gucken die Leute komisch, wenn ich erzähle, wie es war, als Websites noch Ladebalken hatten und man für ein Modem die Telefonleitung blockierte.

Was ich gelernt habe

Wenn man drei Jahrzehnte in einer Branche arbeitet, in der sich die Werkzeuge ständig ändern, dann hinterlässt das Spuren. Ich habe nicht nur graue Haare, sondern auch ein paar Überzeugungen, die sich bewährt haben.

Online-Marketing ist ein Projekt, das in absehbarer Zeit endet. Es ist ein lebendiger Organismus, der sich ständig verändert. Wer denkt, er habe alles unter Kontrolle, nachdem er die Strategie umgesetzt hat, hat das Prinzip nicht verstanden.

Daten sind nützlich, aber sie ersetzen kein Urteilsvermögen. Ich habe einige Entscheidungen gesehen, die auf Zahlen basierten und trotzdem falsch waren. Und das nur, weil niemand fragte, ob die Zahlen die richtigen Fragen beantworteten.

Der beste Berater ist derjenige, der sich selbst überflüssig macht. Berater, die Abhängigkeiten schaffen, können kurzfristig profitieren, aber langfristig schaden sie allen Beteiligten.

Und zuletzt: Die Konzepte sollten sich an den verfügbaren Ressourcen orientieren und nicht umgekehrt. Das mag banal klingen, aber es wird erstaunlich oft ignoriert. Das ist keine Methode. Es ist eine Haltung.